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Ein Gang durch die Lutherkirche

Ein Gang durch die Lutherkirche



Die alte Lutherkirche:
eingeweiht am 10. September 1893.
Im Jahre 1883, wo der 400.Wiederkehr des Geburtstages von Dr. Martin Luther gedacht wurde, fasste man in Frankfurt den Gedanken im Nordosten der Stadt eine Lutherkirche zu bauen.

Von 1891-1893 wurde auf der Bornheimer Heide die Lutherkirche im neugotischen Stil erbaut.
Nach Plänen der Architekten Kauffmann und Neher, führte die Firma Holzmann die Bauarbeiten aus.
Die Orgel und die Turmuhr wurden von der Familie von Bethmann gestiftet.

Nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg, blieben von der alten Lutherkirche nur der Turm, der beschädigt war, der Altar, der dann in der Kapelle der wiederaufgebauten Kirche seinen Platz fand, der Torso des Kruzifixus, heute ebenfalls in der Kapelle und vier Kapitelle erhalten.

Am 4. April 1954 wurde der Grundstein zur neuen Lutherkirche gelegt.
Die wiederaufgebaute Lutherkirche
eingeweiht am 2. Oktober 1955:
Angebaut an den Turm der alten Kirche , der obwohl stark beschädigt, erhalten blieb, war nach einem Entwurf von Oberbaurat Ernst Görcke, dem Leiter der Bauabteilung des Evangelischen Regionalverbandes Frankfurt, eine neue Lutherkirche entstanden.

Die Glasfenster sind ein Werk von Georg Meistermann, der damals als Professor am Städelschen Kunstinstitut wirkte.




Das Gemeindezentrum Lutherkirche
eingeweiht am 10. September 2004:


Die Lutherkirche wurde von 2002 bis 2004 zum Gemeindezentrum umgebaut.
Die Planung und die Bauleitung war dem Frankfurter Architekten Reiner Ganz übertragen worden.

Zu beiden Seiten des Kirchturms entstanden die beiden Anbauten mit den Transparenz schaffenden Glasfassaden. In ihnen sind Gruppenräume, Büro und Küche (Bistro) untergebracht.

Der Kirchenraum wurde verändert indem die Empore nach vorne hin verlängert wurde. So entstand unterhalb der Empore ein Foyer und mit dem Foyer verbunden durch den Durchbruch der linken Kirchenmauer zum Kindergartenhof hin ein Gemeindesaal.
Ansonsten wurde der Kirchenraum farblich neu gestaltet und wurde mit Fußbodenheizung, Induktionsschleife und einem neuen Bodenbelag aus Bituterazzo ausgestattet. Die Deckenleuchten aus den 50 er Jahren wurden restauriert.

Begleitet wurde der Umbau von Diplom-Ingenieur Steffen Theil von der Bauabteilung des Evangelischen Regionalverbandes und einem Projektausschuss der Luthergemeinde.
Durch die Renovierung im Jahre 2004, bekam die Kirche eine ganz andere, helle, einladende Atmosphäre.

Die Meistermannfenster:

Im oberen Fensterband, das rund um die Kirche läuft wurde die Vorverglasungen entfernt, die im Bereich der Apsis von außen vor die Fenster gestellt waren und diese verdunkelten.

An sonnigen Tagen ist es faszinierend zu beobachten, wie das Sonnenlicht mit den Farben der Fenster spielt, die dann auf den Wänden, Bänken und auch auf dem spiegelnden Fußboden auftauchen und mit der Zeit weiter wandern, bis in der Abendsonne in der Apsiswand hinter dem Kreuz ein buntes Band zu sehen ist.

Der Taufstein:
Eine Besonderheit in der Lutherkirche ist der Standort des Taufsteins. Wie schon in der alten Lutherkirche aus dem Jahre 1893 steht er in der Mitte vor dem Altarbereich. Er ist aus schwarzgrauem Lahnmarmor gearbeitet, wie auch der große massive Altar. Das Taufbecken ist eine Messingarbeit des damaligen Hanauer Gold – und Silberschmiedes H.M. Buchberger.
In der Lutherkirche finden erfreulich viele Taufen statt.
Es kommt auch hin und wieder vor, daß sich Erwachsene taufen lassen.
Der Taufstein in der Mitte erinnert daran: als Christen dürfen wir aus der Taufe leben, jeden Tag neu. Wenn es Martin Luther schlecht ging, schrieb er vor sich auf den Tisch: „Ich bin getauft“.

Die Kanzeln:
Eine zweite Besonderheit der Lutherkirche sind die beiden Kanzeln links und rechts. Sie sind quasi eingerahmt durch schmiedeeiserne Gitter. Mit der Ausführung dieser Arbeit wurde ein Kunstschlosser aus unserem Viertel betraut, der Großvater von Kunst- und Bauschlosser Clemens Brendel in der Egenolffstraße.
Die Schmiedearbeiten sind nicht nur schmückendes Beiwerk oder notwendige Begrenzung, damit niemand vom erhöhten Bereich herunterfällt. Sie haben auch symbolische Bedeutung: auf der linken Seite sehen wir im Gitter den Buchstaben Alpha, den ersten Buchstaben des griechischen Alphabets, rechts neben der Kanzel auf der rechten Seite sehen wir den Buchstaben Omega, mit dem das griechische Alphabet schließt. Sie weisen hin auf das Wort aus der Offenbarung des Johannes, wo Christus sagt: „Ich bin das Alpha und das Omega, der Erste und der Letzte. Ich will dem Durstigen geben von dem Brunnen des lebendigen Wassers, umsonst.“

Das Kruzifix:
Ausgerichtet ist die Kirche auf das überlebensgroße Bildnis des Gekreuzigten. Der Bildhauer Knud Knudsen aus Bad – Nauheim hat diesen Kruzifixus geschaffen. Es ist ein Golgathakreuz. Es schwebt nicht über den Köpfen, es steht, wie das Kreuz auf Golgatha auf dem Boden.

Knud Knudsen stellt Christus dar in seinem Todesschrei – „ aber Jesus schrie laut und verschied“ (Markus 15,37). In diesem Schrei können wir den Schrei aller hören, die diffamiert, gequält, geschunden, von anderen Menschen oder auch von Krankheiten gepeinigt, gefoltert und getötet werden.
Der Körper des schreiend Sterbenden leuchtet in der Farbe Gold, der Farbe Gottes, der Farbe des Himmels.
Der Künstler sieht mit Markus15, 39 in ihm den Sohn Gottes. Und dieses Bekenntnis stellt Würde her. Für alle, die in den Dreck getreten werden beansprucht dieses Bildnis: Gott identifiziert sich mit ihnen und so hebt er sie auf aus dem Staub. – Wir werden nicht fertig mit dieser Geschichte – sie darf uns nicht loslassen.

Die Kapelle:

Die Kapelle wurde als Gedächtniskapelle gebaut zum Gedenken an die Opfer von Krieg und Gewalt. In ihr steht der Altar der alten Kirche, er allein blieb unzerstört.
Der Christus ohne Arme, der Torso der Christusfigur aus der alten Lutherkirche, der jetzt in der Kapelle hinter dem Altar steht, erinnert an die Schrecken von Krieg und Gewalt.






Viele Symbole sind in der Lutherkirche zu entdecken, viele Details, nicht nur aus den 50er Jahren, sondern auch im Umbau von 2004, der im Turmbereich auch die Fragmente, die noch von 1893 vorhanden sind, ins rechte Licht setzt.
Die Lutherkirche ist offen im doppelten Wortsinn: sie ist geöffnet und offen um eigenen Gedanken und Deutungen ihren Lauf zu lassen.

Reiner Haberstock, Pfr.
 
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